Andrew Tuck

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Andrew Tuck ist Chefredakteur von Monocle, einer zehnmal pro Jahr weltweit erscheinenden Qualitätszeitschrift, die sich mit globalen Themen befasst und von einer sehr hochwertigen Leserschaft konsumiert wird – neben Deutschland und Großbritannien vor allem in Asien und dem Nahen Osten.

Monocle argumentiert leidenschaftlich für einen Lifestyle der globalen Mobilität. Haben Sie harte Fakten, wie viele Menschen tatsächlich auf diese Art und Weise leben oder gerne so leben würden? Denken Sie, dass dies nur für eine kleine Elite und für Geschäftsreisende relevant ist, oder können wir uns heute alle aussuchen, wo wir leben und arbeiten wollen?
Andrew Tuck: Es ist nicht unbedingt so, dass wir für globale Mobilität argumentieren, sondern eher so, dass es diese Community gab und dass sie von niemandem adressiert wurde. Aber machen Sie sich kein klischeebehaftetes Bild von diesen Leuten. Es ist nicht mehr nur eine kleine Elite von Geschäftsleuten. Da ist der Grafikdesigner aus London, der in Sydney arbeitet, der schwedische Architekt, der in Spanien lebt, oder der indische Student, der in New York studiert. Das sind alles Leute, die die Welt als einen Ort voller Möglichkeiten sehen und keine Angst davor haben, in ein Flugzeug zu steigen, um eine neue Geschäftsidee zu finden, einen Platz zum Studieren oder ein Zuhause. Darum ist unser jährlicher "Quality of Life Index", der die lebenswertesten Städte der Welt auszeichnet, immer ein so großer Erfolg. Es ist beeindruckend, wie stark und anziehend die Marke einer Stadt sein kann. Menschen wechseln das Land für einen Lifestyle genau wie für einen Job.

Politiker und Stadtplaner in der ganzen Welt versuchen, die internationale "Kreative Klasse" anzuziehen. Es scheint so, als ob einige Sie und Herausgeber Tyler Brûlé konsultieren, wie dies am besten geht. Was sind die häufigsten Fragen und Probleme, die Sie zu hören bekommen? Was sind Ihre Empfehlungen?
Tuck: Seit der Einführung der Studie sind viele Städte auf uns zugekommen. Sie wollten wissen, warum sie diese Note bekommen haben oder was sie tun müssen, um besser abzuschneiden. Unsere Vision ist es, dass die Städte die "harten" Fakten der urbanen Planung richtig machen müssen – einfach zu nutzender öffentlicher Nahverkehr, gute Fahrradwege, eine hohe Qualität der öffentlichen Bildung, effiziente Flughäfen – aber darüber hinaus die "weichen" Faktoren nicht vergessen dürfen. Wie zum Beispiel unabhängiger Einzelhandel, vertretbare Wohnungspreise, großartige Parks, Charakter. Dies macht eine austauschbare Stadt zu einem Platz, wo man sich niederlassen würde.

Manche würden sagen, dass Mobilität auf globaler Ebene ein Konzept ist, das nicht mehr aktuell ist, wenn man an Klimawandel und Telekonferenzen denkt. Sogar Monocle hatte eine Titelstory über Menschen, die das einfache Leben bevorzugen und "zurück auf den Bauernhof" gehen. Ist dies ein Widerspruch oder einfach die zweite Seite des gleichen Phänomens?
Tuck: Menschen wollen sich immer persönlich treffen. Versuchen sie einmal, eine Verbindung zu ihrem Kunden über Skype herzustellen, anstatt mit ihm essen zu gehen. Und Menschen werden immer die Welt sehen wollen. Aber Monocle hat vom ersten Tag an das Handwerk, kleine Unternehmen und Selbstständige unterstützt. Genau wie den Standpunkt, dass Länder ihre Design-Traditionen und die pure Freude, etwas von Hand herzustellen, behalten sollen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass wir aus einem großartigen lokalen Laden eine Erfolgsgeschichte machen als aus einer Supermarktkette.

Sie, Tyler und der Rest des Teams sind so gut wie immer irgendwo in der Welt unterwegs. Glauben Sie, dass Sie das zu Prototypen des modernen Individuums macht? Ist es notwendig, in verschiedenen Kulturen zu funktionieren, um heute glücklich und erfolgreich zu sein? Welche anderen Fähigkeiten braucht man, um in dieser sich schnell verändernden Wirtschaft zu überleben?
Tuck: Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich so selbst beschreiben würde. Ich frage mich eher, ob die Kunst zu überleben in dieser sich so schnell verändernden Wirtschaft von uns genau das Gegenteil von dem verlangt, was sich viele Menschen vorstellen. Ja, wir müssen die neuen Technologien voll nutzen, die neuesten Errungenschaften des Internets – aber vorsichtig. Schauen Sie sich meine Branche an, die Medien. Viele der großen Player haben ein Vermögen in das Web investiert und sind nun pleite. Sie haben die neuesten Storys über Twitter gepostet und sich dann gewundert, dass sie nicht mehr glaubwürdig sind. Es wird immer einen Platz geben für Menschen, die die Standards erhöhen, die sich hingeben, die ihr Handwerk lieben. Darum hatten die Schneider auf der Savile Row in den letzen Jahren so viel zu tun, während viele Designerläden Probleme hatten. Die Menschen erkennen Geschick und Können. Sei gut in dem, was Du tust.

Sehen Sie sich immer noch nach Ihrem Traumort um? Und welche Optionen ziehen Sie dafür in Betracht? Oder ist eher das ständige Unterwegssein der beste Lebensweg? Ist der Weg das Ziel?
Tuck: Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ein Flugzeug an einem mir vertrauten Ort landet oder irgendwo, wo ich zuvor noch niemals gewesen bin. Und ich liebe es hier, wo ich lebe, im Zentrum Londons. Aber eines Tages wäre ein einfaches Haus auf einem Stück Land an einem See gut.

Würden Sie zustimmen, dass die Menschen, die bei Monocle arbeiten, sich den idealen Lifestyle für sich selbst erschaffen haben? Was ist Ihr Rat für jemanden, der dasselbe tun möchte? Glauben Sie, es ist heute einfacher, sich selbst neu zu erfinden, sei es im Job, als Unternehmer oder als Person, als früher? Warum?
Tuck: Abgesehen von den 18 Stunden Tagen während der Pressewoche ist es ziemlich perfekt. Niemand scheint Monocle jemals zu verlassen – nach drei Jahren ist das Start-up-Team immer noch hier. Und ja, ich denke, es ist einfacher, sich selbst zu erfinden. Ich liebe die Menschen, die ich kenne, die sich vom Fotoagenten zum Koch oder vom Banker zum Farmer entwickelt haben und in beidem gut sind. Es ist niemals zu spät, Dinge zu tun, die man wirklich liebt.

Sie haben 2009 das "Rethink year" genannt. Könnten Sie dies etwas näher ausführen? Was haben die Menschen und Unternehmen von der Zeit nach der Krise gelernt?
Tuck: Sie haben gelernt, sich auf Ihre eigenen Fähigkeiten zu verlassen. Sie haben gesehen, was sie glücklich macht. Sie haben ihre Passion, Dinge wachsen zu lassen, wiedererkannt. Sie haben Kleidung gekauft, bei der es um Design, nicht nur um Mode geht. Sie wollten wieder Stolz auf ihre Arbeit sein. Es hat schreckliche Verluste für viele Menschen gegeben, aber auch einige gesunde Korrekturen.
http://www.monocle.com/

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Zitate aus Meconomy

»„The future of business will be more startups, fewer giants, and infinite opportunity“«

— Chris Anderson

»Starting your own business is risky, but the recent economic turmoil suggests that we should recalibrate our notions of safety. The working world used to be divided into safe but boring jobs, and exciting but risky ones. Of late, many of the supposedly safe professions have been decimated – which should help us let go of illusions of safety.«

— Alain de Botton, Monocle‚ Small Business Guide’ 2009/10

»Sicherheiten gibt’s eh keine mehr. Macht doch, wofür Euer Herz schlägt.«

— Johannes Kleske, Social-Media-Experte

Es gibt drei Wege, Meconomy zu kaufen – je nachdem, welches Format man bevorzugt:

1) Man kann hier den PDF-Download wählen. Das PDF ist sehr vielseitig, funktioniert auf allen Computern, vielen Smartphones und E-Readern. Außerdem bekommt man ein farbiges, animiertes Cover, das ziemlich cool aussieht.

2) Das gängigste E-Book-Format heisst EPUB und läuft auf fast allen Lesegeräten (Achtung: nicht auf dem Kindle). Man kann EPUBs aber auch am Rechner lesen, mit kostenlosen Programmen wie Digital Editions. Das EPUB bekommt man in den großen E-Book-Shops online, zum Beispiel bei Libri.de, Ciando.de, Thalia.de oder Buch.de.

3) Wer das Buch als iPhone-App haben möchte, kauft es im iTunes Store oder schaut erst mal bei textunes (da gibt es auch eine Leseprobe). Vorteil bei diesem Format: der Kauf einer App geht blitzschnell und einfach, sie ist komfortabel zu bedienen und stellt den Inhalt sehr schön dar. Auch hier gibt es das farbige, animierte Cover.

Wichtig: Egal, welche Plattform, welcher Shop und welches Format – das Buch kostet immer 9,99 Euro. Und damit keiner doppelt kaufen muss: Wer mir seine iTunes-Rechnung mailt, dem schicke ich ganz unbürokratisch und umsonst auch das PDF zu (nicht aber andersherum und der Deal geht leider nicht im Zusammenhang mit dem EPUB).

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