Wolff Horbach

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Wolff Horbach ist ein deutscher Glücksforscher. Er betreibt zu diesem Thema das Blog Faktor-G, hat das Buch "77 Wege zum Glück" verfasst und berät Unternehmen dabei, wie die Erkenntnisse der Glücksforschung in der Wirtschaft umgesetzt werden können.

Wolff Horbach ist ein deutscher Glücksforscher. Er betreibt zu diesem Thema das Blog Faktor-G, hat das Buch "77 Wege zum Glück" verfasst und berät Unternehmen dabei, wie die Erkenntnisse der Glücksforschung in der Wirtschaft umgesetzt werden können.

Wenn uns selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Handeln besonders glücklich machen, was bedeutet das dann für unsere Arbeit – müssen wir alle Freiberufler werden? Oder alle paar Jahre, je nach Laune, den Job wechseln? Nützt die moderne Patchwork-Biografie bei der Suche nach dem Glück?
Wolff Horbach: Menschen sind dann glücklich, wenn sie das tun, was sie besonders gut können. Da gibt es zunächst keinen Unterschied zwischen angestellter und freiberuflicher Tätigkeit. Leider versäumen es viele Unternehmen heute, die Talente der Mitarbeiter zu ergründen.
Vielfach werden nur die Mitarbeiter mit einer Stellenbeschreibung gesucht. Das heißt, es wird nur die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe gewünscht. Menschen haben aber vielfache Talente, die zum Nutzen des Mitarbeiters und des Unternehmens eingesetzt werden können. Ungenutzte Talente frustrieren die Menschen.
Die Unternehmen machen noch einen Fehler: Sie versuchen aus Gründen der Effizienz und der Qualitätssicherung Abläufe aufs Kleinste vorzugeben. Das widerspricht dem sehr wichtigen Bedürfnis des Menschen nach Autonomie und nach Ausprobieren von anderen Wegen. Kluge Unternehmen lassen ihren Mitarbeitern viel Spielraum für eigene Ideen und Projekte. 3M und Google sind damit äußerst erfolgreich.
Wer diese Freiheiten an seinem Arbeitsplatz nicht vorfindet, tut gut daran, sich ein anderes Umfeld zu suchen. Die Lebenszeit ist viel zu kostbar, als jahrein, jahraus mit freudloser Arbeit zu verbringen, die den eigenen Bedürfnissen nicht oder nur zum Teil entspricht.

Ist es in der digitalen Ökonomie einfacher, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, sich selbst zu verwirklichen oder neu zu erfinden? Werden dadurch auch mehr Menschen glücklich?
Horbach: Die digitale Ökonomie hat sowohl schlechte als auch gute Seiten. Die schlechten sind vor allem ein zunehmender Zeitdruck. Jeder erwartet heute, dass man E-Mails in Sekunden beantwortet und Tag und Nacht erreichbar ist. Das erhöht, wenn man nicht höllisch aufpasst, den persönlichen Stress enorm. Und Stress ist der Glückskiller #1.
Auf der anderen Seite eröffnet die digitale Ökonomie für kreative Menschen noch nie dagewesene Möglichkeiten: Uns allen stehen für kleines Geld äußerst leistungsfähige Computer zur Verfügung. Wir können damit Bücher schreiben, fantastische Musik komponieren, grafische Kunstwerke schaffen. Wir können mit Menschen rund um die Welt ganz einfach kommunizieren. Wir können unsere Werke global anbieten. Die digitale Ökonomie bietet also für denjenigen, der die Gefahren zu beherrschen weiß, das Potenzial zu einem reichen und erfüllten Leben.

Wenn Individualismus, Sinnsuche und ein eigener Lebensentwurf immer wichtiger werden – was ist, a) wenn wir merken, dass uns die selbst gewählte Lebensweise auch nicht glücklich macht und b) mit jenen Menschen, die da nicht mithalten können?
Horbach: Manchmal wird uns Glücksforschern vorgeworfen, wir vermittelten eine "Pflicht zum Glücklichsein". Das ist natürlich Unsinn. Aber jeder hat die Wahl, ob er etwas aus seinem Leben macht.
Wer vor hundert Jahren als ältester Sohn eines Landwirtes geboren wurde, hatte einen vorgezeichneten Lebensweg: Er würde einmal den Hof übernehmen. Die gute Nachricht war: Wenn er nicht große Fehler machte, war für seinen Lebensunterhalt bis zum Ende seiner Tage gesorgt. Die schlechte Nachricht: Er würde dieses Kaff wahrscheinlich nie verlassen.
Heute ist es gerade umgekehrt: Nichts ist sicher, aber wir haben eine unglaubliche Fülle von Lebensgestaltungsmöglichkeiten. Leider bereiten unserer Schulen und Universitäten die Menschen nicht darauf vor. Viel zu viele verlassen sich auf alte Strukturen. Kaum ein Student möchte sich selbstständig machen, sondern versucht bei einem Global Player unterzuschlüpfen und dort Karriere zu machen. Wir haben nur eine sehr schwach ausgeprägte Kultur zur Selbstständigkeit.
Viele Menschen kommen mit Verantwortung für das eigene Leben nicht klar. Die stark ansteigende Anzahl von Depressiven spricht eine traurige Sprache. Unser Wohlstand scheint viele Menschen unbeweglich zu machen. Lieber verharren sie ein halbes Leben in unzufriedenen Umständen, anstatt eine Existenz zu gestalten, welche den eigenen Bedürfnissen besser entspricht. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Das "Schulfach Glück" wäre ein erster Anfang.

Lebenslanges Lernen und Neugier machen glücklich. Müssen wir in einer sich immer schneller ändernden Welt auch ständig neue Fähigkeiten erlernen? Was bedeutet das für Schule, Uni, Lehre? Können wir besser selbst lernen (mit z. B. iTunesU und YouTube EDU)?
Horbach: Dass lebenslanges Lernen und Neugier glücklich machen, würde ich sofort unterschreiben. Ob das für alle Menschen gilt, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt eine Reihe von Menschen, denen ist Lernen einfach lästig. Ich vermute, das hat mit schlechten Erfahrungen in der Schule zu tun. Lernen wird oft mit drögem Büffeln verwechselt.
Lernen kann sehr viel Spaß machen. Das sollten Schule, Uni, Lehre mehr vermitteln. Die neuen Medien können da sehr helfen. Anstatt sich in einen überfüllten Lehrsaal zu quetschen, kann man heute die Vorlesung bequem von zu Hause aus verfolgen. Auch die Zeitbindung ist weg. Ich habe mir kürzlich eine ganze Serie von Vorlesungsskripten und -videos der Stanford University über iTunes angesehen. Hervorragendes Material. Mich macht das glücklich. Hoffentlich viele andere Menschen auch.

Viele Menschen gehen in der Krise auf Nummer sicher. Dabei bietet diese auch Chancen, sein Leben neu aufzustellen. Was sagt der Glücksforscher zu beiden Strategien?
Horbach: Es gibt ein wunderbares Buch von Alan W. Watts, einem der führenden Religionsphilosophen des letzten Jahrhunderts: "Weisheit des ungesicherten Lebens". Watts hat intensiv die östlichen Weisheiten wie Taoismus und Buddhismus studiert. In "Weisheit des ungesicherten Lebens" beschreibt er, wie sich der moderne Mensch mit seinem Bestreben, das Leben in all seinen Aspekten kontrollierbar und vorhersehbar zu machen, immer mehr in seinem eigenen Netz verfängt und von den Erfahrungen des Lebens abschneidet.
Das Streben nach Sicherheit ist verständlich, aber es macht starr. Sicherheitsmenschen versuchen einen alten Status aufrechtzuerhalten und machen sich viel zu viele Sorgen über die Zukunft.
Das Leben mit all seinen Facetten ist aber bunt und kann nur durch unmittelbare Erfahrungen gefühlt werden. Glück findet immer im HIER und JETZT statt. Die Wirtschaftskrise war und ist also durchaus ein willkommener Anlass, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ort und Glück? Sollten wir uns globalisieren und unseren Traumort suchen?
Horbach: Schöne Orte können durchaus zum Glück beitragen. Gleichzeitig möchte ich etwas davor warnen, das Glück zu sehr im Außen zu suchen. Wer mit zu vielen Erwartungen mit seinem Laptop oder iPhone auf eine Südseeinsel zieht, wird nicht automatisch glücklich werden. Schließlich nimmt sich der Mensch immer selbst mit, egal wo er hinzieht.
Glück ist vielmehr eine innere Haltung. Mit der richtigen Haltung kann ich überall ein sehr glücklicher Mensch werden. Zweifelsohne tragen gutes Wetter, eine intakte Umwelt und eine reizende Landschaft zum Wohlbefinden bei. Aber sie sind keine Bedingungen für das Glück.
Generell tun wir gut daran, das Glück zu erlernen und täglich zu üben. Dann werden wir schon dort, wo wir jetzt sind, ein gutes Stück glücklicher. Dann können wir uns aufmachen, die sich bietenden Gelegenheiten der digitalen Ökonomie zu nutzen.

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Zitate aus Meconomy

»Starting your own business is risky, but the recent economic turmoil suggests that we should recalibrate our notions of safety. The working world used to be divided into safe but boring jobs, and exciting but risky ones. Of late, many of the supposedly safe professions have been decimated – which should help us let go of illusions of safety.«

— Alain de Botton, Monocle‚ Small Business Guide’ 2009/10

»Sicherheiten gibt’s eh keine mehr. Macht doch, wofür Euer Herz schlägt.«

— Johannes Kleske, Social-Media-Experte

»Es gibt heute keinen Grund mehr, Dinge zu tun, die man hasst. „Sie sollten sich fragen: Was will ich jeden Tag tun, bis ans Ende meines Lebens? Und dann müssen Sie genau das tun. Ich schwöre, dass Sie es monetarisieren können.«

— Gary Vaynerchuk, Videoblogger

Es gibt drei Wege, Meconomy zu kaufen – je nachdem, welches Format man bevorzugt:

1) Man kann hier den PDF-Download wählen. Das PDF ist sehr vielseitig, funktioniert auf allen Computern, vielen Smartphones und E-Readern. Außerdem bekommt man ein farbiges, animiertes Cover, das ziemlich cool aussieht.

2) Das gängigste E-Book-Format heisst EPUB und läuft auf fast allen Lesegeräten (Achtung: nicht auf dem Kindle). Man kann EPUBs aber auch am Rechner lesen, mit kostenlosen Programmen wie Digital Editions. Das EPUB bekommt man in den großen E-Book-Shops online, zum Beispiel bei Libri.de, Ciando.de, Thalia.de oder Buch.de.

3) Wer das Buch als iPhone-App haben möchte, kauft es im iTunes Store oder schaut erst mal bei textunes (da gibt es auch eine Leseprobe). Vorteil bei diesem Format: der Kauf einer App geht blitzschnell und einfach, sie ist komfortabel zu bedienen und stellt den Inhalt sehr schön dar. Auch hier gibt es das farbige, animierte Cover.

Wichtig: Egal, welche Plattform, welcher Shop und welches Format – das Buch kostet immer 9,99 Euro. Und damit keiner doppelt kaufen muss: Wer mir seine iTunes-Rechnung mailt, dem schicke ich ganz unbürokratisch und umsonst auch das PDF zu (nicht aber andersherum und der Deal geht leider nicht im Zusammenhang mit dem EPUB).

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