Rolf Potts

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Rolf Potts hat als Reisejournalist für das New York Times Magazine, Condé Nast Traveler oder The Guardian aus mehr als 50 Ländern berichtet, war Kolumnist für Salon.com, hat die Bücher "Vagabonding" und "Marco Polo Didn’t Go There" geschrieben. Potts erfand den Begriff "Long Term Travelling".

Herr Potts, Sie sind ein Advokat vieler und langer Reisen. Warum ist das ein erstrebenswerter Lebensstil? Viele Menschen sind doch zufrieden, wenn sie zu Hause auf dem Sofa entspannen können.
Rolf Potts: Aber viel zu viele tun das nur aus Trägheit und weil sie denken, das sei die "normale" Art zu leben. Aber für viele ist "normal" nicht besonders befriedigend. Sie sind nicht glücklich dabei, auf dem Sofa zu sitzen und fernzusehen, während ihr Leben vorbeizieht. Diese Menschen sollten erfahren, dass Langzeitreisen nicht besonders schwierig oder teuer sind. Man muss sie daran erinnern, dass ihre Lebenszeit alles ist, was sie wirklich besitzen, und dass sie diese so verbringen sollten, wie sie sich das erträumt haben.

Gilt das nur für junge Menschen? So etwas wird doch mit Familie und festem Job sehr viel schwieriger.
Potts: Langzeitreisen waren unter jungen Leuten schon immer sehr populär und sind für sie auch einfacher, ja. Aber das heißt nicht, dass nur Jugendliche das tun können. Mehr und mehr sieht man heute auch Berufstätige, die sich eine Auszeit für Reisen nehmen – oder die ihre Arbeit mobil machen und sie von unterwegs erledigen. Das ist dann nicht rebellisch oder unverantwortlich, sondern einfach gesunder Menschenverstand.

Wie soll das gehen, wenn ich einen festen Job habe?
Potts: Henry David Thoreau hat einmal gesagt, dass die meisten Menschen den größten Teil ihres Lebens damit verbringen, Geld zu verdienen, damit sie in seinem am wenigsten wertvollen Abschnitt eine zweifelhafte Freiheit genießen können. Er hatte recht. Wer von Langzeitreisen träumt, sollte diese Erfahrung nicht auf den Ruhestand in ferner Zukunft verschieben. Man muss es nur jetzt zur Priorität machen.

Das kann sich nicht jeder leisten ...
Potts: ... es geht nicht um Geld. Manche der wohlhabendsten Menschen der Welt sind so in ihrem Reichtum und Besitz gefangen, dass sie das Leben nicht genießen können. Ein bescheidenes Einkommen bringt einen überall hin auf dieser Welt, wenn man vernünftig haushaltet.

Die Technologie macht es heute einfacher zu reisen, ohne seine Arbeit zu vernachlässigen ...
Potts: Stimmt, und es wird täglich noch einfacher. Noch vor zehn Jahren war eine der größten Herausforderungen beim Reisen, dass man für sehr lange Perioden ohne Kontakt nach Hause blieb. Jetzt ist es fast umgekehrt: Wie bricht man den Kontakt in die Heimat ab, damit man genießen kann, wo man ist? Die Technik verbindet uns so eng mit den Freunden zu Hause, dass es sich oft so anfühlt, als wären wir gar nicht fort. Ich nenne das die elektronische Nabelschnur.

Gibt es auch Vorteile?
Potts: Ja, die überall verfügbare Telekommunikationstechnik bedeutet, dass es immer schwerer wird, Ausreden zu erfinden, warum man seine Traumreisen nicht realisieren kann. Man verschwindet heute nicht mehr vom Erdboden, wenn man unterwegs ist. Freunde von mir haben ihr Heimbüro nach Rio de Janeiro verlegt, andere nach Bangkok. Wieder andere haben aus Spaß eine Weltreise gemacht und von unterwegs ihre beruflichen Kontakte so clever genutzt, dass bei ihrer Rückkehr tolle Jobs auf sie warteten. Es ist alles eine Frage der Eigeninitiative. Man muss dafür sorgen, dass positive Dinge geschehen.

Die Menschen werden also in globalem Maßstab mobil?
Potts: Es ist definitiv eine historisch gute Zeit, um einen guten Job zu haben und gleichzeitig zu leben, wo man möchte. Nie zuvor hat es so viele Möglichkeiten gegeben, einen selbst designten globalen Lebensstil zu verfolgen.

Auch in der Krise?
Potts: Wie ich zu reisen, funktioniert auch in der Rezession. Reisen werden zu einer reicheren Erfahrung, wenn man weniger Geld ausgibt, langsamer unterwegs ist, kreativ wird und sein Budget lieber für die lokale Wirtschaft ausgibt als für die Touristenwirtschaft.

Was ist Ihr Traumort, wohin würden Sie auswandern?
Potts: Der Charme des mobilen Lebensstils ist es, sich nicht für einen Ort entscheiden zu müssen. Ich habe einen Bauernhof in Kansas, nahe meinem Elternhaus, bin aber nur ein paar Monate pro Jahr dort. Ich verbringe mindestens einen Monat in Paris, fühle mich aber auch in Bangkok, Kairo, Buenos Aires oder Pusan in Südkorea für einige Zeit sehr wohl. Wenn man die Suche nach seinem Traumort als einen Akt der Liebe beschreiben wollte, bin ich wohl Polygamist. Es geht auch nicht darum, wie lange man unterwegs ist oder wo man sich letztlich niederlässt – sondern ob seine Art der Existenz einem erlaubt, das Leben voll auszukosten.

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Zitate aus Meconomy

»Starting your own business is risky, but the recent economic turmoil suggests that we should recalibrate our notions of safety. The working world used to be divided into safe but boring jobs, and exciting but risky ones. Of late, many of the supposedly safe professions have been decimated – which should help us let go of illusions of safety.«

— Alain de Botton, Monocle‚ Small Business Guide’ 2009/10

»Mehr mit unternehmerischem Mut als mit Staatsgläubigkeit wollen die Bundesbürger Wege in die Zukunft beschreiten.«

— Horst Opaschowski, Zukunftsforscher

»Sicherheiten gibt’s eh keine mehr. Macht doch, wofür Euer Herz schlägt.«

— Johannes Kleske, Social-Media-Experte

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