Jürgen Schweizer

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Jürgen Schweizer ist einer der Gründer und Eigentümer von Cultured Code, der Firma hinter Things, einer der erfolgreichsten iPhone-Apps. Mit Things können Nutzer ihre persönliche Produktivität verbessern, indem sie Aufgaben und Projekte zwischen ihren Geräten synchronisieren.

Things ist eine der erfolgreichsten deutschen iPhone-Apps. Haben Sie damit gerechnet?
Jürgen Schweizer: Den heutigen Erfolg von Things habe ich durchaus als Möglichkeit am Horizont gesehen. Ihn tatsächlich eintreten zu sehen ist aber eine ganz andere Sache! Manchmal war – statt Freude – Verblüffung sogar die stärkere Reaktion. Man darf nicht vergessen, dass mit dem Erfolg auch die Verantwortung wächst. Vor dem App-Store-Launch Ende 2008 haben wir größtenteils auf eigene Rechnung von zu Hause aus gearbeitet. Inzwischen haben nicht nur die vier Teilhaber ein Auskommen, wir haben auch vier weitere feste Mitarbeiter eingestellt. Darüber hinaus arbeiten wir mit freien Mitarbeitern zusammen, von denen zwei fest übernommen werden sollen.

Wie kamen Sie auf die Idee zu dem Produkt und welche ersten Schritte waren nötig?
Schweizer: Wir erleben ja alle, wie die Menge an Informationen, die man zu bewältigen hat – und sei es nur, indem man sie guten Gewissens ignoriert – immer mehr zugenommen hat. Und das gilt nicht erst, seitdem das Internet zu einem allgegenwärtigen Erfolg geworden ist. Mein ursprüngliches Bedürfnis war es, ein allgemeines Werkzeug zur Informationsbewältigung zu schaffen. Aber das ist natürlich ein viel zu umfangreiches Problemfeld. Für mich war es dann die Lektüre von David Allens "Getting Things Done", die mir die Augen dafür geöffnet hat, wie man aus dem großen Problemfeld einen machbaren Teil herauslösen kann.

Erklären Sie bitte kurz, was Things eigentlich ist. Wer sind Ihre Kunden und aus welchen Ländern kommen sie?
Schweizer: Der Name des Programms Things bezieht sich auf die englische Formulierung "getting things done". Es ist ein Programm mit dem Ziel, das Leben besser geregelt zu bekommen. Obwohl es zunächst sehr einfach und zugänglich daherkommt, leistet es weit mehr, als man von den üblichen Kalenderanwendungen gewohnt ist. Unsere Kundschaft ist sehr international, hauptsächlich aus entwickelteren Ländern. Die USA stellen zurzeit den größten Markt dar. In jüngster Zeit haben wir uns sehr um den japanischen Markt gekümmert.

Wie erklären Sie sich das aktuelle Interesse an persönlicher Produktivität?
Schweizer: Das Bedürfnis, die eigene Produktivität zu verbessern, ist ein altes. Neuer ist das Internet als Möglichkeit, sich darüber zu verständigen und Anregungen auszutauschen. So ist auch aus David Allens klarsichtiger Analyse und GTD-Methode eine Mode geworden. Und das ist ganz und gar nicht abwertend gemeint. So sind Leute in den Genuss seiner Einsichten gekommen, die man in Buchhandlungen niemals in der Ecke mit Management und Beratungslektüre gefunden hätte. Das Interesse an persönlicher Produktivität und das zunehmende mobile und flexible Arbeiten sind beide ein Reflex auf unklarer und wandelbarer gewordene Rollendefinitionen und Arbeitsfelder.

Das heißt?
Schweizer: Hochstrukturierte Gesellschaften wie die unsere bringen natürlicherweise immer mehr Informationsarbeit hervor. Neu ist aber, dass es praktisch keine physikalischen Grenzen für die Informationsübermittlung mehr gibt. Dieses permanente Gefühl von Gleichzeitigkeit und Machbarkeit erzeugt einen Druck, selbst als Arbeitnehmer flexibler und wandelbarer zu werden. Dieser Druck wird natürlich von Freiberuflern und Managern zuerst wahrgenommen, aber mit Sicherheit auch an Angestellte weitergegeben.

Kann wirklich jeder dank der Infrastruktur des App-Stores aus dem Stand zum globalen Unternehmer werden?
Schweizer: Der App-Store hat die Einstiegshürde so klein gemacht, dass man sich kaum noch eine Verbesserung vorstellen kann. Der Weg zum Kunden wird einem komplett von Apple abgenommen. Ein Eldorado, wie manche glauben, ist der App-Store dennoch nicht. Bei mehr als 50.000 Anwendungen ist es keine einfache Aufgabe, auch bemerkt zu werden. Es ist also wirklich leicht, zum globalen Unternehmer zu werden. Aber zu einem erfolgreichen Unternehmer? Das ist eine andere Frage.

Welche weiteren Ursachen für eine neue Gründerkultur sehen Sie?
Schweizer: Das Internet hat die Wichtigkeit von zwischengeschalteten Distributoren stark schrumpfen lassen und in manchen Fällen komplett zum Verschwinden gebracht. Seit den Anfängen des Internets ist es immer einfacher geworden, Kunden zu erreichen. Für die Abwicklung des Geldverkehrs gibt es Dienstleister. Das Anmieten von Server-Kapazitäten ist von Jahr zu Jahr günstiger geworden; bis hin zu extrem leistungsfähigen und skalierbaren Lösungen wie Amazons sogenanntem "elastic cloud computing". Open-Source-Software für Blogs und Internet-Foren ermöglicht es, schnell und günstig Inhalte zu verbreiten. Sowohl die Werkzeuge zur Software-Entwicklung als auch das Wissen, wie man es anstellt, sind über das Internet zu bekommen. Clevere junge Leute müssen keine teuren Kurse oder Lehrgänge besuchen. Um die sogenannte "Ruby-on-Rails"-Technologie, mit der moderne Web-Anwendungen entwickelt werden können, ist eine ganze Kultur entstanden mit vielen Firmen, die auf agilen Prozessen basierend und in enger Zusammenarbeit mit den Ideengebern ihre Entwicklungsarbeit anbieten.

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Zitate aus Meconomy

»Die Wirtschaftskrise hat etwas Gutes. Sie ist so tiefgreifend und systemerschütternd, dass plötzlich Raum entsteht für Fragen: Wie haben wir eigentlich gelebt? Was war uns wichtig, was waren unsere Werte? Soll das so weitergehen? Und: Wie wollen wir eigentlich leben?«

— Claudia Voigt, Der Spiegel

»Glauben Sie an das, was Sie tun? Jeden Tag? Es stellt sich heraus, dass glauben eine brillante Strategie ist. Immer mehr Menschen merken gerade, dass sie sehr viel arbeiten und dass es sehr viel befriedigender ist, an etwas zu arbeiten, an das sie glauben und Dinge zu bewegen, als einfach nur jeden Monat sein Gehalt zu bekommen und darauf zu warten, gefeuert zu werden (oder zu sterben).«

— Seth Godin, Management-Autor

»Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.«

— Mark Twain

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