Florian Steglich

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Florian Steglich ist Autor des bekanntesten und einflussreichsten deutschen Produktivitäts-Blogs imgriff.com, das sich mit Fragen von Ordnung, Motivation, und Kreativität in der neuen Medienwelt beschäftigt und damit, wie man Dinge mithilfe digitaler Technik geregelt bekommt.

Florian, kurz erklärt: Wozu gibt es imgriff?
Florian Steglich: imgriff.com ist ein Produktivitätsblog, eines der ganz wenigen im deutschsprachigen Raum, die sich wie ihre amerikanischen Vorbilder stark mit Methoden der Selbstorganisation und den digitalen und analogen Tools dafür beschäftigen. Es bietet also "Anschauungsmaterial" für alle, die das, was sie (beruflich wie privat) nun mal erledigen müssen, entspannter und effizienter erledigen möchten.
Es hat sich übrigens bewährt, auch dazuzusagen, was imgriff.com NICHT sein soll: Nämlich belehrend ("Du musst früh aufstehen, um produktiv zu sein!"), esoterisch ("Du kannst alles schaffen, wenn Du nur genügend Kraft durch den Glauben an Dich und Deine Talente schöpfst") und technologiegläubig ("Du musst nur eine möglichst schicke und geschmeidige Software finden, dann läuft alles wie von selbst").

Was macht das Arbeiten an Techniken zur persönlichen Produktivität für viele Menschen so spannend? Wer ist die Zielgruppe?
Steglich: An sich ist die Zielgruppe sehr, sehr weit gefasst: Ob jemand mithilfe unserer Tipps eine Seminararbeit schreibt, seine Anwaltspraxis auf organisiertere Füße stellt, ein Social Network programmiert oder seinen Keller aufräumt, macht keinen großen Unterschied. Einer unserer regelmäßigen Leser stellt zum Beispiel Pfeile (für Bogen) her, das ist sein Beruf. Allerdings gibt es so etwas wie eine Kernleserschaft von Kreativen, Wissensarbeitern, Webworkern, Bloggern und Studenten.
Die Frage, wie man sein Leben organisiert, ist natürlich nicht erst seit fünf oder fünfzehn Jahren relevant. Auch das Bestellen eines Weinbergs ist nichts, was man ohne Planung hinbekommt. Allerdings hat das, was immer etwas hilflos "Infoflut" genannt wird, das Thema sicherlich dringlicher gemacht. Mit überfüllten E-Mail-Postfächern kämpft mittlerweile fast jeder, mit Web-2.0-Tools arbeiten nicht mehr nur die "Early Adopters", örtlich und zeitlich verteilte Teams sind in vielen Jobs normal. Es gibt dieses schöne Video "Did you know 3.0" mit der Information, dass die zehn gefragtesten Jobs im Jahre 2010 sechs Jahre zuvor, 2004, noch gar nicht existierten. Selbstorganisation wird wichtiger, wenn das Drumherum sich auflöst, und kann eine Konstante sein, wenn man sich in so vielen anderen Lebensbereichen ständig anpassen muss. Da stehen wir vielleicht nicht mehr am Anfang, aber wahrscheinlich auch noch nicht im Zenit.

Was sind die Kerneinsichten, die Du selbst aus imgriff mitnimmst? Welche Tipps muss man heute wirklich jedem geben?
Steglich: Eine Einsicht ist, wie bereits erwähnt, die, dass es nie nur irgendein schickes Tool braucht, um produktiv zu sein, sondern zum Beispiel immer auch Routinen dahinter. Das bedeutet übrigens auch, dass viele mit einem Notizbuch oder gar einem Zettelblock hinreichend organisiert sind; mindestens die Hälfte meines eigenen "Systems" findet auf Papier statt.
Tipps, die darüber hinaus wohl wirklich bei jedem funktionieren: 1. Sag regelmäßig "Nein" zu Aufgaben und Wünschen, die an Dich herangetragen werden (die eigenen eingeschlossen), notfalls auch im Nachhinein. 2. Eine möglichst ruhige (genauer gesagt: ablenkungsfreie) Umgebung ist für viele Aufgaben immer noch die beste Voraussetzung. Das fängt mit dem Abschalten des "Pling" bei neu eintreffenden Mails an und hört mit der einsamen Woche zum Nachdenken in der Berghütte auf. Kaum etwas ist wirklich so dringend, dass es nicht ein paar Stunden warten könnte.

Ist das Arbeiten an persönlicher Produktivität nur Teil einer größeren Emanzipationsbewegung?
Steglich: Einen gemeinsamen Kontext gibt es sicher bei persönlicher Produktivität und dem Willen, sich sein Leben so einzurichten, wie man es sich wünscht; verwandt ist da auch der Trend, Arbeit nicht mehr als Gegensatz zum Leben zu sehen. Das alles ist vielleicht die positive Seite der Entdeckung, dass der Dreisprung Ausbildung - lebenslange Sicherheit beim örtlichen Mittelständler - Ruhestand nicht mehr der Normalfall ist. Die Verlässlichkeiten der Elterngeneration sind weg, das allerdings unabhängig von der aktuellen Krise – dass wir nicht mehr Lehre oder Studium abschließen und danach Jahrzehnte auf derselben Stelle sitzen, ist uns ja schon lange klar. Das alles bewirkt Unsicherheiten, birgt aber auch Chancen und Vorteile, denn der sichere 9-to-5-Job war ja auch nicht bloß sicher, sondern oft genug nervtötend und stumpf, schlecht bezahlt und aussichtslos.

Kritiker würden eine solche Sicht womöglich als "amerikanisch", "unsolidarisch", "neoliberal" brandmarken. Warum soll man sich immer nur selbst optimieren müssen? Wo bleibt die Gemeinschaft?
Steglich: Tatsächlich kamen solche Vorwürfe auch schon mal in den Kommentaren bei imgriff.com vor. Ich tue mich recht schwer, das nachzuvollziehen. Muss sich jemand selbst helfen, weil er außerhalb der Gemeinschaft auf sich allein gestellt ist, oder will sich jemand selbst "optimieren", weil "das doch nicht schon alles gewesen sein kann"? Das eine ist eine eher passive, das andere eine aktive Betrachtungsweise. Sicherlich schlägt das Pendel mal mehr zum einen und mal mehr zum anderen Extrem aus, und ich bin auch nicht so lebensfremd oder zynisch, nicht anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich einfach nicht mehr "ihres Glückes Schmied" sind; aber gerade deshalb kann ich mit so einfachen Gegensätzen in aller Regel nichts anfangen. Kann man sich nur um andere sorgen, indem man sich selbst vergisst? Nein, zwischen "Sich-selbst-Optimieren / -Helfen" und dem Leben in einer Gemeinschaft sehe ich überhaupt keinen Widerspruch.
http://imgriff.com/

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Zitate aus Meconomy

»„The future of business will be more startups, fewer giants, and infinite opportunity“«

— Chris Anderson

»Die Wirtschaftskrise hat etwas Gutes. Sie ist so tiefgreifend und systemerschütternd, dass plötzlich Raum entsteht für Fragen: Wie haben wir eigentlich gelebt? Was war uns wichtig, was waren unsere Werte? Soll das so weitergehen? Und: Wie wollen wir eigentlich leben?«

— Claudia Voigt, Der Spiegel

»Mehr mit unternehmerischem Mut als mit Staatsgläubigkeit wollen die Bundesbürger Wege in die Zukunft beschreiten.«

— Horst Opaschowski, Zukunftsforscher

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